Das Green-building-Verfahren hat die Aufgabe, die Belastungen für die Umwelt um ein deutliches Maß zu reduzieren, denn Gebäude sind vor allem in den Industrienationen für einen hohen Verbrauch an Land, Energie und Wasser und damit auch die Veränderung von Luft und Atmosphäre verantwortlich. In den Vereinigten Staaten werden pro Jahr mehr als 8.100 Quadratmeter an Freiflächen, Wildtierhabitaten und Feutgebieten erschlossen.
40 % der im Jahr 2006 von Bürgern der Vereinigten Staaten von Amerika und der Europäischen Union insgesamt konsumierten Energiemenge wurden von Gebäuden verbraucht. Innerhalb dieses Anteils wurden in den USA 54 % der Energie für Wohnbauten und 46 % für Wirtschaftsgebäuden aufgebraucht. Beim Verbrauch von Elektrizität kamen Gebäude im Jahr 2002 auf 68 % der in den USA konsumierten Gesamtmenge, wobei Wohnbauten davon 51 % und Wirtschaftsgebäude 49 % verbrauchen. Gleichsam sind für 38 % des in den Vereinigten Staaten ausgestoßenen Kohlendioxids Gebäude verantwortlich, davon entfallen 20,6 % auf Eigenheime und 17,5 % auf Gebäude für gewerbliche Zwecke. Außerdem sind Gebäude für den Verbrauch von 12,2 % der gesamten konsumierten Menge an Wasser in den USA verantwortlich.
Diese Statistiken verdeutlichen laut der EPA die Notwendigkeit zur Reduzierung des Verbrauchs von natürlichen Ressourcen durch Gebäude und der Menge der durch sie verursachten Umweltverschmutzung, um dadurch zukünftig einen hohen Grad an Nachhaltigkeit zu erreichen.
Allerdings wird die mögliche Umweltverträglichkeit von Gebäuden häufig unterschätzt, während die Kosten für das „grüne“ Bauen überschätzt werden. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage des World Business Council for Sustainable Development hat ergeben, dass diese Preise um bis zu 300 % überschätzt werden. Leistungsträger aus dem Liegenschafts- und Baugewerbe schätzen die zusätzlichen Kosten immer noch auf etwa 17 % über dem Niveau für herkömmliches Bauen, was jedoch mehr als dem dreifachen der tatsächlichen Kostendifferenz von lediglich 5 % entspricht.
Unter dem Oberbegriff Green building wird eine große Zahl an Praktiken und Techniken zusammengefasst, die zur Reduzierung und Eliminierung von Einflüssen von Gebäuden auf die Umwelt sowie die menschliche Gesundheit beitragen sollen.
Oft wird die vorrangige Nutzung erneuerbaren Ressourcen betont, wie beispielsweise die Nutzung von Sonnenlicht durch passive, aktive und photovoltaischen Techniken sowie der Einsatz von Pflanzen und Bäumen auf begrünte Dächer, in Regengärten und zur Reduktion von Regenabfluss. Viele andere Techniken, wie die Nutzung von komprimiertem Kies für Parkplätze anstelle von Beton oder Asphalt, um die Auffüllung des Grundwassers zu verbessern, kommen dabei ebenfalls zum Einsatz. Effektive „grüne“ Gebäude bestehen jedoch aus mehr als nur einer zufälligen Kollektion von umweltfreundlichen Technologien. Sie erfordern vielmehr eine sorgfältige und systematische Planung bezüglich der beim Bau verwendeten Ressourcen – sowohl hinsichtlich der Auswirkungen auf die Umwelt als auch des Verbrauchs –, aber auch der Emission von Verunreinigungen, und zwar über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes hinweg.
Gleichzeitig gründet die Philosophie von „grüner“ Architektur und nachhaltiger Planung auf der Absicht, das Design eines Gebäudes unter ästhetischen Geschichtspunkten in Harmonie zu den natürlichen Gegebenheiten und Ressourcen seiner Umgebung zu bringen. In diesem Zusammenhang sind verschiedene zentrale Maßnahmen nötig: das Ausfindigmachen von Green-building-Material aus lokalen Quellen, die Reduzierung von Belastungen, die Optimierung von Systemen und die Entwicklung von vor Ort erneuerbarer Energie.
Zu den typischerweise als „grün“ bezeichneten Baumaterialien gehören unter anderem schnell nachwachsende Pflanzenmaterialien wie Bambus und Stroh, Holz aus umweltverträglich bewirtschafteten Wäldern, Naturstein, recycelter Stein, recyceltes Metall und andere Produkte, die ungiftig, wiederverwertbar, erneuerbar und/oder recycelbar (z. B. Trass, Linoleum, Schafwolle, Fußbodenplatten aus Papierflocken, gebrannte Erde, Stampferde, Ton, Vermiculit, Leinen, Sisal, Seegras, Kork, gekörntem Blähton, Kokosnuss, Holzfaserplatten, Kalzium-Sandstein etc.) sind. Baumaterialien sollten in der lokalen Umgebung des Baugeländes gewonnen und aufbereitet werden, um die Energie zu minimieren, die für ihren Transport aufgebracht werden muss.
In „grüne“ Gebäude werden häufig Maßnahmen zu Reduzierung des Energieverbrauchs implementiert. Um die Effizienz der Gebäudehülle (die Schwelle zwischen klimatisierter und unklimatisierter Zone) zu steigern, werden beispielsweise Hochleistungsfenster und Dämmstoffe in Wände, Dächer und Böden eingesetzt. Eine andere Strategie – die Einbindung von passiver Sonnenenergie – kommt oft in energiearmen Häusern zum Einsatz. Die Planung von Fenstern, Wänden, örtlichen Sonnensegeln, Vordächern und Bäumen orientiert sich dabei an dem Anspruch, Fenster und Dächer für die Sommermonate möglichst in beschatteten Arealen zu platzieren, während in den Wintermonaten ein maximaler Gewinn an Sonnenenergie erzielt werden soll. Hinzu kommt, dass das effektive Platzieren von Fenstern die Bereitstellung von mehr Tageslicht und dadurch die verringerte Nutzung von elektrischem Licht während des Tages ermöglicht. Solarbetriebene Wasserheizungen können zudem die Energiebelastung reduzieren.
Außerdem kann die Erzeugung von erneuerbarer Energie vor Ort durch Solarenergie, Windkraft, Wasserenergie oder Biomasse signifikanten Einfluss auf die Umweltverträglichkeit des Gebäudes haben. Nicht zuletzt stellt die Stromerzeugung schließlich auch den kostenintensivsten Posten eines Gebäudes dar.
„Grüne“ Architektur reduziert die Vergeudung von Energie, Wasser und Baustoffen. In der Konstruktionsphase sollte es ein Ziel sein, die Menge des Materials zu verringern, das auf der Mülldeponie endet. Gut geplante Gebäude helfen außerdem bei der Reduzierung der Menge des Abfalls, die von deren Bewohnern erzeugt werden, indem sie örtliche Lösungskonzepte wie beispielsweise Komposteimer bereitstellen.
Um Einflüsse auf Quellen oder Wasseraufbereitungsanlagen zu minimieren, gibt es mehrere Optionen: Grauwasser (Abwasser von Geschirrspülern, Waschmaschinen etc.) kann zur Untergrundbewässerung oder, falls es behandelt wurde, für Zwecke, die keines trinkbaren Wassers bedürfen, wie beispielsweise die Toilettenspülung oder die Autowäsche, eingesetzt werden. Regenwasserbehälter finden in ähnlicher Weise Verwendung.
Zentralisierte Abwasseraufbereitungssysteme können kostspielig sein und eine große Menge an Energie verbrauchen. Eine Alternative zu diesem Prozess ist die Umfunktionierung von Abwasser in Düngemittel, was unnötige Kosten verhindert und auch andere Vorteile bietet. Durch das Sammeln von menschlichem Abfall an der Quelle und dessen Weitergabe an eine semizentrale Biogasanlage mit anderem biologischem Abfall kann flüssiger Dünger produziert werden. Dieses Konzept wurde in den späten 1990ern von einer Siedlung in Lübeck demonstriert. Bei Praktiken wie diesen wird der Erdboden mit organischen Nährstoffen versorgt, wodurch CO2-Senken entstehen, die CO2-Dioxide aus der Atmosphäre ziehen und Treibhausgasemissionen ausgleichen. Zudem kostet die Produktion von künstlichem Dünger oftmals mehr Energie als dieses Verfahren.