Als Schwedischer Ölausstieg wird die Ankündigung der schwedischen Regierung im Jahre 2006 bezeichnet, bis 2020 unabhängig von Erdöl und anderen 'fossilen Rohstoffen' sein zu wollen. Die Regierung gibt für diese Entscheidung vier Gründe an:
- Der Einfluss des Ölpreises auf das Wachstum und die Beschäftigung der schwedischen Wirtschaft;
- Die Wechselwirkung zwischen Öl, Frieden und Sicherheit auf der ganzen Welt;
- Das große Potenzial Schwedens eigene erneuerbare Energien anstelle von Öl zu nutzen;
- Die Bedrohung durch den Klimawandel als Ergebnis extensiver Verbrennung fossiler Rohstoffe.
2005 wurde der Energiebedarf des Landes zu etwa 32 Prozent über die Ölversorgung gedeckt, den verbleibenden Anteil weitgehend durch Kernenergie und Wasserkraft. Obwohl eine vollständige Einstellung der Energieversorgung auf der Grundlage von Erdöl nicht beabsichtigt ist, wird das Jahr 2020 als Zielvorstellung für den "Ölausstieg in Schweden" angesehen.
Um Vorschläge zum Abbau der Ölabhängigkeit zu finden, richtete die Regierung ein Komitee für Öl-Unabhängigkeit ein (Komiteeen för att bryta oljeberoendet i Sverige till år 2020), betitelt durch den Premierminister Göran Persson.
In ihrem Bericht empfiehlt das Komitee bis zum Jahr 2020 folgende Ziele zu verwirklichen:
- Verringerung des Konsums fossiler Kraftstoffe im Straßenverkehr um 40 bis 50 Prozent
- Einschränkung des Konsums fossiler Kraftstoffe in der Industrie um 25 bis 40 Prozent
- die Beheizung von Gebäude mit fossilen Kraftstoffen, die seit der Ölkrise 1973 um 70 Prozent gekürzt wurden, soll vollständig eingestellt werden
- die Energieeffizienz soll um insgesamt 20 Prozent erhöht werden
Langfristig wird das Ziel anvisiert, Erdöl durch erneuerbare Energien und Energieeinsparmaßnahmen zu ersetzen und damit den Verbrauch fossiler Kraftstoffe komplett einzustellen. Die geplante Reduzierung der Kohlenstoffemission soll teilweise durch die Realisierung dieser Vorschläge erreicht werden. Ferner wird erwartet, dass die Rolle Schwedens in der nachhaltigen Entwicklung gestärkt wird und die internationale Konkurrenzfähigkeit im wirtschaftlichen Bereich wächst.
Technische Lösungen enthalten unter diesen Bedingungen die Weiterentwicklung von Solarzellen, Brennstoffzellen, Windparks, Wellenkraftwerken, einen großen Zuwachs an Fernwärmeanlagen, die verstärkte Verwendung von Wärmepumpen und der Anbau einheimischer Biokraftstoffe. Es wird erwartet, dass Forschung, Entwicklung und Kommerzialisierung dieser Technologien von der Regierung unterstützt werden.
Das Komitee empfiehlt weiterhin, dass die Regierung eine Zunahme der Nutzung von Erdgas nicht fördern sollte, da befürchtet wird, dass dies die Entwicklung von Biokraftstoff hemmen und die Verwendung von Gas als Ölersatz fördern würde.
Um den Energieverbrauch zu senken, sieht das Komitee vor, dass bis zum Jahr 2020 mindestens 75 Prozent aller neuen Gebäude unterhalb des energietechnischen Anforderungsniveaus betrieben werden, ähnlich dem Gebäudestandard in Deutschland. Ferner wird es notwendig sein, bestehende Häuser zu modernisieren, was die Umstellung von Heizungssystemen auf Fernheizung, Biokraftstoffen oder Wärmepumpen einschließt.
Weiterhin erhofft sich die Regierung mit dieser Maßnahme eine verstärkte Nutzung von Arbeiten außerhalb eines Unternehmens, Videokonferenzen, Internetkonferenzen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Wasserwegen, Hybridantrieben und kleineren, leichteren mit Biodiesel betriebenen Autos.
Mit dem reduzierten Verbrauch in der Industrie sieht die schwedische Regelung für die Vergabe von Emissionsberechtigungen eine Kürzung um 25% ihres anfänglichen Niveaus bis 2020 vor.
Vermutlich werden auch das Steuersystem, Bildung und öffentliche Initiativen zur Beeinflussung von Energieentscheidungen genutzt werden.