Bislang gelten eine hohe Biomasseleistung und eine ausreichende Winterhärte als die wichtigsten Kriterien für die Sortenwahl. Anbauerfahrungen aus dem großflächigen Anbau liegen für Miscanthus x giganteus und die früher reifende Mehrklonsorte 'Amuri' vor. Miscanthus x giganteus ist die mit Abstand am meisten angebaute Sorte. In den neunziger Jahren fanden Anbauversuche auch mit den Miscanthus sinensis- Sorten 'Goliath', 'Poseidon' u.a. statt, die sich aufgrund geringer Ertragsleistungen jedoch nicht durchsetzen konnten. Zunehmend werden verschiedene Sorten bzw. Genotypen auch auf ihre Eignung für verschiedene spezifische Verwendungszwecke untersucht. Für die Verwendung als Zuschlagstoff zu Leichtbetonbausteinen konnten bereits Pflanzen mit besonders guten Bindeeigenschaften identifiziert werden. Langfristiges Ziel ist die Selektion von ertragsstarken Sorten, die sich aufgrund positiver chemisch-physikalischer Eigenschaften besonders gut z.B. für die Verbrennung, Pyrolyse oder Verflüssigung eignen.
Miscanthus stellt an den Standort ähnliche Ansprüche wie Mais. Als wärmeliebende C4-Pflanze benötigt er Standorte mit einer mittleren Temperatur von mindestens 8°C. Spätfröste können zu einer Schädigung junger Triebe führen.
Standorte mit tiefgründigen, humosen und sandig-lehmigen Böden mit einer guten Bodenstruktur und Wasserführung sowie einem hohen Nährstoffspeichervermögen eignen sich besonders für den Anbau von Miscanthus. Kalte und zu Staunässe neigende Böden mit mangelnder Durchlüftung sind nicht geeignet. Auf sehr sandigen Böden mit einem niedrigen Grundwasserstand entscheiden die Niederschlagsmenge und die jahreszeitliche Verteilung der Niederschläge das Ertragsniveau.
Die Pflanzung von Rhizomen kann bereits ab Mitte April stattfinden. Vorgezogene Jungpflanzen dagegen sollten erst nach den letzten Spätfrösten gepflanzt werden, da die Jungpflanzen sehr frostempfindlich sind. Im Herbst vor der Pflanzung sollte je nach Vorfrucht und Bodenzustand tief gepflügt und/oder im Frühjahr 10-15 cm tief gegrubbert werden. Für die Pflanzbettbereitung eignet sich z.B. eine Kreiselegge. Eine vorbeugende Unkrautbehandlung wird empfohlen. Gepflanzt wird in einer Tiefe von 3-6 cm mit 1 Pflanze/m. Der Reihenabstand sollte 0,75 bis 1 Meter betragen. Gemüsepflanzmaschinen können für die Pflanzung vorgezogener Jungpflanzen und Kartoffellegemaschinen für die Pflanzung der Rhizomstücke verwendet werden.
Riesen-Chinaschilf bedarf besonders im ersten aber häufig auch im zweiten Standjahr der Unkrautbekämpfung, da die Pflanze vor der Bestandsschließung extrem konkurrenzschwach ist. Ab dem dritten Standjahr sind die Bestände dicht und geschlossen, Unkräuter und Ungräser werden somit vollständig unterdrückt. In Deutschland sind für Riesen-Chinaschilf keine Pflanzenschutzmittel zugelassen, jedoch besteht die Möglichkeit einer Genehmigung für den Einzelfall (§ 18b PflSchG.). Zur mechanischen Unkrautbekämpfung empfiehlt sich der Einsatz eines Hackstriegels oder gegen Problemunkräuter der Einsatz von üblichen Mais-Reihenhackgeräten. Während der Anfangsphase muss bei starkem Unkrautdruck in der Reihe manuell gehackt werden.
Riesen-Chinaschilf verlagert über die Wintermonate einen Großteil der im Spross vorhandenen Nährstoffe in das unterirdische Speicherorgan (Rhizom). Dieser Verlagerungsvorgang geht einher mit einer Abnahme des Feuchtegehaltes der oberirdischen Sprossmasse. Aus zwei Gründen sollte deshalb erst in der Zeitspanne von Januar bis März geerntet werden:
- die in das Rhizom verlagerten Nährstoffe stehen der Pflanze im Frühjahr für einen kräftigen Wiederaustrieb zur Verfügung.
- die zu erntende oberirdische Sprossmasse ist bereits auf ca. 18-20 % Feuchtegehalt abgetrocknet und kann meist ohne eine technische Nachtrocknung einer energetischen Nutzung (z.B. Verbrennung) zugeführt werden.
Ideal als Erntezeitpunkt hat sich die Phase unmittelbar nach einer trockenen Frostperiode gezeigt. Auch sollte darauf geachtet werden, dass die Blätter bereits größtenteils abgefallen sind. Die nährstoffreichen, sich auf dem Boden zersetzenden Blätter, geben die Mineralien dem Pflanzenbestand wieder und helfen somit den Nährstoffkreislauf zu schließen. Ein hoher (aschereicher) Blattanteil kann zudem in Biomassefeuerungsanlagen zu technischen Störungen führen. Je nach anschließendem Verwertungszweck kann mit einem Feldhäcksler mit reihenunabhängigem Schneidwerk (Häckselkette) oder mit einem Mäh-Knick-Zetter (Ballenlinie)geerntet werden. Für die Ballenlinie wird das Erntegut anschließend auf Schwad gelegt und zu Ballen gepresst. Auch gibt es bereits Kombinationen, in denen das gehäckselte Erntegut über den Schlepper in eine angehängte Presse überführt wird. Dies bietet den Vorteil, dass das Erntegut keinen Bodenkontakt erfährt und somit weniger Fremdstoffe (Erde, Sand, nasse Blätter etc.) enthält und damit bessere Verbrennungseigenschaften besitzt. Je nach Standortbedingungen sind Erträge von 10-20 t TM/ha*Jahr möglich. Bei optimaler Wasserversorgung (z.B. Beregnung) kann auch mit weit höheren Erträgen gerechnet werden, die bis zu 25-30 t TM/ha reichen können.
- ↑ Pude 2006
- ↑ Produktionsaspekte Weiden und Miscanthus
- ↑ Planet Wissen: Werkstoffe aus Pflanzen
- ↑ HARTMANN, H., 2007: Normung von Mischbrennstoffen für KFA und Handlungsbedarf, Technologie- und Förderzentrum (TFZ) Straubing, Fachgespräch „Mischpellets- und Alternativbrennstoffe für KFA- Potentiale und Handlungsbedarf“, Fachveranstaltung der FNR am 1.März 2007
- ↑ Symposium Miscanthus; Biomassebereitstellung, energetische uns stoffliche Nutzung, Schriftreihe „Nachwachsende Rohstoffe“ FNR, Band 4, 1995
- ↑ LEWANDOWSKI, I.,1996: Einflussmöglichkeiten der Pflanzenproduktion auf die Brennstoffeigenschaften am Beispiel von Gräsern. In: "Eigenschaften fester Bioenergieträger" - Internationale Tagung in Stuttgart im Mai 1996. Schriftreihe "Nachwachsende Rohstoffe" (6), Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (Hrsg.), Landwirtschaftsverlag Münster, S.32-48
- ↑ Miscanthus.at von Hubert Falzberger
- ↑ KTBL: Energiepflanzen. KTBL-Datensammlung., 2006, S. 151-163
- ↑ PUDE, R., 2005: Bedeutung morphologischer, chemischer und physikalischer Parameter sowie ihrer Interaktionen zur Beurteilung der Baustoffeignung unterschiedlicher Miscanthus-Herkünfte. Beiträge zu Agrarwissenschaften Bd. 30. Verl. Wehle, Bad Neuenahr
- ↑ KTBL: Energiepflanzen. KTBL-Datensammlung., 2006, S. 151-163
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